Prinzengarde der Stadt Sankt Augustin e.V.
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Die Vereinsgründung

 


zusammengestellt von Josef Odenthal

Präsident der Prinzengarde von 2002 - 2012

 

Angefangen hat alles – wie könnte es anders sein – in einem Kegelklub

Man schrieb das Jahr 1954, als einige gestandene Sankt Augustin -  Mülldorfer Bürger, die sich regelmäßig zur Ausübung des Kegelsports in der Gaststätte „Zur Hongsburg“ trafen, beschlossen, in Sankt Augustin die Monarchie wieder aufleben zu lassen - und wenn es auch nur für die Karnevalszeit sein sollte. Damit griffen sie eine alte Tradition wieder auf, die mit dem letzten Karnevalsprinzen vor dem 2. Weltkrieg - Adolf Herchenbach - im Jahre 1934  ihr vorläufiges Ende gefunden hatte

Einen Prinzen brauchte man nicht lange zu suchen: Mit dem Landwirt Eduard  Richarz fand man ihn sogleich in den eigenen Reihen des bereits zitierten Kegelklubs „Kranz“.  Doch nun war guter Rat teuer: Eduard Richarz war unverheiratet und zu einem guten Monarchen gehört nun mal auch eine Regentin.  Da aber der Karneval, zumindest der offizielle, im Rheinland stets mit dem nötigen Ernst betrieben wird, so konnte nach einigem Werben die Geschäftsfrau Liesel Asbach dazu bewegt werden, ihre Lieblichkeit als Prinzessin in den Dienst des Frohsinns zu stellen. Auch einen Adjutanten hatte dieses Prinzenpaar bereits: Jean Welsch entwickelte auf Anhieb in seinem Amt einen derartigen Perfektionismus, daß er es bis zum Jahre 1968 ununterbrochen wahrnehmen durfte.

Die Durchführung der Karnevalssitzungen – in jenen Jahren zugleich Prinzenproklamationen – oblag dem Dillettantenverein Sankt Augustin – Mülldorf, damals zuständig für gesellschaftliche Veranstaltungen aller Art. Das Amt des Sitzungspräsidenten übte viele Jahre Josef Hartmann, der Vater des späteren Aktiven und Prinzen Friedel Hartmann mit solcher Begeisterung aus, daß er sich im Laufe einer Sitzung mehrfach in verschiedenfarbige Smokingjacken umkleidete.

Das erste Prinzenpaar wurde bei seinen Auftritten begleitet von den Mitgliedern des Kegelklub „Kranz“, den man also - im Zusammenwirken mit dem Dillettantenverein - als Geburtstätte der Prinzengarde bezeichnen kann.

Nachdem die spontane Idee, ein Prinzenpaar von Sankt Augustin - Mülldorf zu proklamieren, erst einmal geboren war, mochte man sich nicht mehr davon trennen. So wählte man Jahr für Jahr ein neues Prinzenpaar, das im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung zunächst im Saal der Gaststätte "Weber" - seinerzeit an der Bonner Str. 79 auf dem Grundstück gelegen, auf dem sich heute die Kreissparkasse befindet - durch den Dillettantenverein proklamiert wurde.

Ab dem Jahr 1961 verlegte man die Proklamation in den Saal der Gaststätte „Zur Hongsburg“. Das Programm wurde in den ersten Jahren noch mit zahlreichen Beiträgen aus den eigenen Reihen gestaltet; insbesondere die Büttvorträge von Jean Welsch waren alten Mülldorfern noch jahrelang in guter Erinnerung.

Der Zeit entsprechend war das Prinzenpaar noch nicht in ein prunkvolles Ornat gewandet, wie man es heute kennt; vielmehr mußten der schwarze Anzug und das - oftmals selbstgeschneiderte - Abendkleid als standesgemäße Bekleidung herhalten. Eine Prinzenmütze als äußeres Zeichen der Prinzenwürde trug allerdings auch bereits die erste Sankt Augustiner Tollität.

1959 oblag die Begleitung des Prinzenpaares letztmals ausschließlich dem Kegelklub „Kranz“; danach erweiterte sich der Kreis um andere honorige Sankt Augustiner Bürger, die der karnevalistischen Idee zugetan waren: Die Prinzengarde verselbständigte sich.

Prinzen sowie Gönner der Prinzengarde ergänzt, da es als besondere Ehre galt, diesem Gremium anzugehören

Es sollte bis 1968 dauern, bis sich ein Prinz – es war der unvergessene Peter Euler, begleitet von seiner Gattin Ruth  - erstmals im prunkvollen Ornat präsentierte, das der mittelalterlichen spanischen Hofkleidung nachempfunden ist. Auch die Gardisten mochten bei diesem prächtigen Anblick nicht zurückstehen und kleideten sich fortan in den roten Smoking mit schwarzem Schalkragen, der auch heute noch bei zahlreichen Anlässen getragen wird.

 Mit der im Jahre 1969 begonnenen Neugliederung der Gemeinde Sankt Augustin, die im Jahre 1977 zur Verleihung der Stadtrechte führte, wurde aus der Prinzengarde Sankt Augustin Mülldorf allmählich die

„Prinzengarde der Stadt Sankt Augustin e.V.“

Die Jahre ab 1970 bis 1981 wurden geprägt durch den aus Siegburg zur Prinzengarde gekommenen Conny Enkirch, der in dieser Zeit als Präsident maßgeblich die Geschicke der Garde beeinflußte.

In jene ereignisreiche Zeit fiel auch die Gründung der Sankt-Augustin-Girls, noch heute eines der Aushängeschilder der Garde, in der Session 1972/1973. Dem seinerzeit erstmals aufgekommenen Plan, die Prinzengarde durch ein Musikcorps zu vervollständigen, war das originelle Schottenkostüm zu verdanken, in dem der spätere Prinz und Senator Hermann Schrader viele Jahre die Reihen der Gardisten verstärkte.

Als 1973 die Gaststätte „Zur Hongsburg“  Flammen zum Opfer gefallen und die Prinzengarde ihres Veranstaltungsortes beraubt war, setzte sich Enkirch mit seiner Empfehlung durch, die Proklamation künftig in der wesentlich größeren Aula der Realschule Niederpleis zu veranstalten. Den dort von ihm präsidierten Sitzungen war ein derartiger Erfolg beschieden, daß man in späteren Jahren sogar kurzzeitig in die Sporthalle des Albert- Einstein-Gymnasiums umziehen mußte.

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Prinzengarde war die Einführung der schmucken rot - weißen Gardistenuniformen im Jahre 1976, die bei der erstmaligen Teilnahme am Siegburger Rosenmontagszug mit Szenenapplaus bedacht wurden. Welchem Vorbild diese Uniformen nachempfunden sind, läßt sich nicht mehr mit Sicherheit klären; teils wird von Zeitzeugen behauptet, es handele sich um eine Replik aus der österreichischen Kaiserzeit, während nach Überzeugung von Conny Enkirch das Vorbild im Regiment des ehemaligen Gemahls der englischen Prinzessin Anne, Mark Phillips zu finden ist.

Im Jahre 1981 übergab Conny Enkirch das Präsidentenamt an Karl - Heinz Meys, der bis 2002 - zusammen mit dem jahrzehntelang, bis Juni 2001 amtierenden Vorsitzenden Heinrich Hess - die Prinzengarde zu weiteren Höhepunkten ihrer Vereinsgeschichte führte:

Im Jahre 1982 beschloß man - in Anlehnung an die in einigen Karnevalshochburgen übliche Praxis -  der Prinzessin den Beinamen „Augustina“ zu verleihen. Erste Trägerin dieses neuen Titels wurde Augustina Marie Luise I. (Sobkowski).

Erstmals in der Session 1993 / 94 trennte man die Prinzenproklamation von der Karnevalssitzung  und führte sie bei freiem Eintritt im großen Ratssaal der Stadt Sankt Augustin durch. Da diese Veranstaltung wegen des großen Zuspruchs von Seiten der Bevölkerung in den kommenden Jahren in das Pädagogische Zentrum des Albert-Einstein-Gymnasiums verlegt werden mußte, blieb es dem Chronisten Josef Odenthal und seiner Augustina

Renate III. als einzigem Prinzenpaar vorbehalten, im Ratssaal der Stadt proklamiert worden zu sein.

Im Jahre 1996 gelang es, von der Stadt Sankt Augustin eine Halle zu pachten, die in diesen Wochen endgültig angekauft werden soll. Nach ihrer Renovierung erfüllt sich für die Gardisten ein langgehegter Wunsch: Sie verfügen dann über ein eigenes  Vereinsheim, in dem einerseits Wagen für den Karnevalszug gebaut und abgestellt werden können, das andererseits aber auch Trainingsmöglichkeiten für die Tanzgruppen sowie Raum für gesellige Veranstaltungen bietet.

Nachdem die Prinzengarde in den letzten Jahren erfreulich viele junge Aktive rekrutieren konnte, baute man ein Männertanzcorps auf. Dem Wunsch dieses Tanzcorps nach mehr Bewegungsfreiheit folgend wurde in der Session 1996 / 97 eine zusätzliche, der Prinzengarde der Stadt Köln nachempfundene Uniform eingeführt.

Seit 1997 verfügt die Prinzengarde unter Berücksichtigung aller Abteilungen – Kinder-und Kadettencorps, Juniorgirls, Sankt-Augustin-Girls und Aktivencorps der Gardisten -  über mehr als 100 aktive und nahezu ebensoviele fördernde Mitglieder.

 

Den nächsten Höhepunkt in der Vereinsgeschichte der Prinzengarde der Stadt Sankt Augustin setzte die Teilnahme an der 40. Steubenparade in New York vom 18. bis 22. September 1997. Selbst die „New York Times“ war so beeindruckt von unseren schmucken Uniformen, dass wir uns am Tag nach der Parade als einzige Teilnehmer auf dem Titelblatt dieser weltweit rennomierten Zeitung wiederfanden.

 

Im September 2000 überquerte eine Abordnung der Gardisten mit ihren Ehefrauen ein weiteres Mal den "großen Teich“, dieses Mal, um an der Steubenparade in Philadelphia teilzunehmen.